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Die 1895 in Wien geborene Maria Lazar emigrierte mit ihrer kleinen Tochter schon 1933 nach Dänemark und später dann nach Schweden.
Sie war das jüngste Kind einer vermögenden jüdischen, vollkommen assimilierten Wiener Familie und besuchte eine Schule mit reformpädagogischem Ansatz. Dort traf sie mit zahlreichen prominenten Persönlichkeiten der damaligen Wiener Kulturszene zusammen. Oskar Kokoschka porträtierte die junge Künstlerin schon 1916 in seinem Bild „Dame mit Papagei“. Im dänischen Exil war sie zusammen mit Bertolt Brecht und Helene Weigel, mit der Lazar besagte Schule besucht hatte. 1920 hatte sie bereit ihren ersten Roman veröffentlicht und ein Jahr später kam es zur Uraufführung eines Theaterstücks, allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. Erst ab 1930 veröffentlichte sie wieder längere Werke, diesmal unter dem Pseudonym Esther Grenen. Die Romane erschienen als Fortsetzungsgeschichten in Tageszeitungen. Mit Machtübernahme der Nazis wurden die Aufführung ihrer Werke verboten. In Dänemark arbeitete sie zwar weiter literarisch, hatte aber mit ihren Werken relativ wenig Erfolg. Ihre Romane und Aufsätze wurden nicht gedruckt, ihre Theaterstücke nicht oder nur kurz aufgeführt. 1937 erschien in einer in Moskau erscheinenden Exilzeitschrift das Buch das als ihr Hauptwerk gelten kann. Der Roman „Die Eingeborenen von Maria Blut“ schildert wie sich das schleichendes Gift des Nazismus in einem österreichischen Provinznest ausbreitet. Von einer chronischen Krankheit beeinträchtigt beging Lazar 1948 Selbstmord. Danach wurde sie weitgehend vergessen. Weder die Bekanntschaft mit Weigel und Brecht, noch die Netzwerke der Wiener Kunstszene verhinderten dies. Es ist ein großer Verdienst des Verlegers Albert Eibl des dvb (das vergessene buch) Verlags, die Werke von ihr seit 2014 wieder ausgegraben und verlegt zu haben. Teilweise wurden sie nun mit beachtlichem Erfolg auf die Bühne gebracht. Zuletzt erschien das Buch „Die vergessenen Theaterstücke“ mit den Stücken „Der blinde Passagier, Die Hölle auf Erden und Die Liebe höret immer auf“. Das Buch beinhaltet zwei von ihr selbst so bezeichneten Komödien und ein Drama der besonderen Art. Alle in den 1930ern geschrieben, alle bisher unveröffentlicht. Es geht um Flüchtlinge, den Völkerbund und um die bürgerliche Gesellschaft, die zunehmend ins Wanken gerät. Im Nachwort von Simon Strauss heißt es: „Anders als in den vielen ideologiekritischen deutschsprachigen Theaterstücken aus den 1960er und 1970er Jahren kritisiert hier eine Dramatikerin die Ideologie des Faschismus aus unmittelbarer Anschauung als gegenwärtige Bedrohung. Alle drei in diesem Band erstmals veröffentlichten Stücke sind im Angesicht des Verbrechens geschrieben. (...) Das macht die Theaterstücke von Maria Lazar zu dramatischen Zeugnissen einer brennenden Zeit.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Ernst Reuß Maria Lazar: Die vergessenen Stücke. Erstmals aus dem Nachlass herausgegeben von Albert C. Eibl. Mit einem Nachwort von Simon Strauß. 368 Seiten, Wien 2024, 28 Euro. Comments are closed.
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AutorErnst Reuß, geboren 1962 in Franken. Studium der Rechtswissenschaften in Erlangen und Wien. Promotion an der Humboldt - Universität zu Berlin. Danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin und im Bundestag beschäftigt. Archiv
Juli 2026
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