HISTORISCHES SACHBUCH
  • Startseite
  • Blog
  • Über
  • Galerie
  • Kontakt

Zwei Großväter im Zweiten Weltkrieg

8/1/2016

 
Jens Ebert, schrieb in Krieg und Literatur XVII auf Seite 139 ff.:
„Das Thema Kriegsgefangenschaft ist ein bis in die Gegenwart politisch umstrittenes. (…) Zahllose Bücher zu diesem Thema also gibt es. Neben (seriösen) wissenschaftlichen Untersuchungen und handelt es sich jedoch sehr häufig um Biografien, Erinnerungen oder persönliche Erörterungen, die bei Druckkostenzuschussverlagen oder im Selbstverlag erschienen sind und oft unreflektiert und wenig kenntnisreich Geschichte vermitteln. Hinzu kommt, dass bei solcherart entstandenen privaten Publikationen in der Regel kein oder kein gründliches Lektorat stattfindet.
Ganz anders das Buch von Ernst Reuß Kriegsgefangen im 2. Weltkrieg.
Auch der Zugang dieses Autors ist ein privater, aber ein besonderer: Er recherchierte aus anfänglich persönlichem Interesse die Geschichte seiner Großväter, die sehr unterschiedliche, geradezu konträre Erfahrungen mit dem Thema Kriegsgefangenschaft gemacht hatten. Über die hinterlassenen autobiographischen Zeugnisse, z. B. Feldpostbriefe, hinaus bemüht sich Reuß um eine Rekonstruktion des Kriegserlebnisses und des Kriegsalltags seiner Großväter.
Der eine, gleichen Namens wie der Autor, wurde nach einer »normalen« NS-Karriere (HJ, SA, DAF, NSDAP) 1940 Leiter eines Lagers für Kriegsgefangene verschiedenster Nationen. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion wurde er nach Winniza in der Ukraine versetzt. Obwohl weit hinter der Front eingesetzt, muss »auch Ernst Reuß, der in der Nähe des Stalags untergebracht war, [...] von den Erschießungen und den Gräueltaten gewusst haben«. Im Krieg war es verboten, über solche Ereignisse in den Briefen in die Heimat zu schreiben. Nicht jeder hielt sich daran, Ernst Reuß schon. »Bilder und Briefe aus jener Zeit sprechen eher von einem Abenteuer.« Doch auch nach dem Krieg erzählte der Großvater nichts.
Der andere Großvater, Lorenz Gerhard, war zwar kein Anhänger des NS-Regimes, aber auch kein Gegner, eher unpolitisch. 1942 wurde er zur Wehrmacht einberufen und an die Ostfront im Süden geschickt. Nach einer schweren Verwundung Mitte 1943 wurde er in der Heimat eingesetzt und hoffte, dass es auch in den letzten Kriegsmonaten dabei bliebe. Er will nicht auffallen und schreibt Anfang 1945 an die Familie:
Der Krieg wird und kann ja nicht mehr lange dauern, wies dann weitergeht, bin ich ja noch gespannt. Morgen Dienstag sollen noch viele Beförderungen herauskommen, da ja auch der 30. Januar ist! Hoffentlich bin ich nicht dabei, denn das würde mir keine Freude machen.
Einen Orden bekommt er nicht, jedoch einen Einsatzbefehl für den »Endkampf«. Im April 1945 geriet er bei Cottbus in sowjetische Gefangenschaft.
Wie der Zufall es wollte, kam er genau in jenes Lager, in dem der Vater seines späteren Schwiegersohns - Ernst Reuß - vor kurzem noch in der Kommandantur tätig gewesen war. Die Sowjetarmee nutzte, wie seinerzeit üblich, das von den Deutschen verlassene Lager in Winniza nun für ihre Zwecke.
Angeregt von dieser gleichsam novellistischen Begebenheit, bemüht sich der Autor um einen Vergleich der beiden Lagersysteme, der sehr zu Ungunsten des deutschen ausfällt. Die leider durchaus nicht seltene Geschichtsbetrachtung, die Verwaltungstätigkeit in deutschen Lagern einer wertfreien Betrachtung zu unterziehen, hingegen aber die Verhältnisse in sowjetischen Lagern als »Tragödie« zu beschreiben, ist die Sache dieses Autors nicht. Seinem Großvater Lorenz Gerhard, so berichtet er, erging es den Umständen entsprechend gut, wie Gerhard auch selbst in einer Karte des Roten Kreuzes im Juli 1945 berichtet. »Anders als zuvor um die sowjetischen Gefangenen in deutschen Lagern durfte sich das Rote Kreuz nun um die deutschen Gefangenen in den sowjetischen Lagern kümmern.«
Um den vordergründigen und vorschnellen Wertungen eines Nachgeborenen zu entgehen, verschränkt Ernst Reuß die Geschichte seiner Großväter mit umfangreichem Material und vielen Untersuchungen zum »Leben« und Sterben in deutschen und sowjetischen Kriegsgefangenenlagern und diskutiert die laxe Bestrafung der Kriegsverbrecher in der Bundesrepublik. Zahlreiche Quellen, Daten und Dokumente zieht er heran, um Zeiten und Gegebenheiten zu beschreiben, worin leider zuweilen die spannende Doppelgeschichte etwas untergeht.“
Bild

Breaking News

2/1/2016

 
Bild
​Frank Schätzings Roman „Breaking News“  ist zwar kein historisches Sachbuch, aber ein spannender, faktenorientierter Roman mit fiktiver, teilweise hanebüchener Handlung.
Das Buch ist aber dennoch durchaus empfehlenswert für denjenigen, der fundierte Einblicke in das Wirrwarr im Nahen Osten und zur Entstehung des Staates Israel gewinnen will. 

    Autor

    ​Ernst Reuß, geboren 1962 in Franken. Studium der Rechtswissenschaften in Erlangen und Wien. Promotion an der Humboldt - Universität zu Berlin. Danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin und im Bundestag beschäftigt.
    ​Lebt als Autor in Berlin.

    Publikationsauswahl:
    Berliner Justizgeschichte / Millionäre fahren nicht auf Fahrrädern / Gefangen! Zwei Großväter im Zweiten Weltkrieg / Mord? Totschlag? Oder was? / Sirius, Katzenkönig und Co. / Mord und Totschlag in Berlin / Endzeit und Neubeginn.


    Archiv

    Juni 2026
    Mai 2026
    April 2026
    März 2026
    Februar 2026
    Januar 2026
    Dezember 2025
    November 2025
    Oktober 2025
    September 2025
    August 2025
    Juli 2025
    Juni 2025
    Mai 2025
    April 2025
    März 2025
    Februar 2025
    Januar 2025
    Dezember 2024
    November 2024
    Oktober 2024
    September 2024
    August 2024
    Juli 2024
    Juni 2024
    Mai 2024
    April 2024
    März 2024
    Februar 2024
    Januar 2024
    Dezember 2023
    November 2023
    Oktober 2023
    September 2023
    August 2023
    Juli 2023
    Juni 2023
    Mai 2023
    April 2023
    März 2023
    Februar 2023
    Januar 2023
    Dezember 2022
    November 2022
    Oktober 2022
    September 2022
    August 2022
    Juli 2022
    Juni 2022
    Mai 2022
    April 2022
    März 2022
    Februar 2022
    Januar 2022
    Dezember 2021
    November 2021
    Oktober 2021
    September 2021
    August 2021
    Juli 2021
    Juni 2021
    Mai 2021
    April 2021
    März 2021
    Februar 2021
    Januar 2021
    Dezember 2020
    November 2020
    Oktober 2020
    September 2020
    August 2020
    Juli 2020
    Juni 2020
    Mai 2020
    April 2020
    März 2020
    Februar 2020
    Januar 2020
    Dezember 2019
    November 2019
    Oktober 2019
    September 2019
    August 2019
    Juli 2019
    Juni 2019
    Mai 2019
    April 2019
    März 2019
    Februar 2019
    Januar 2019
    Dezember 2018
    November 2018
    Oktober 2018
    September 2018
    August 2018
    Juli 2018
    Juni 2018
    Mai 2018
    April 2018
    März 2018
    Februar 2018
    Januar 2018
    Dezember 2017
    November 2017
    Oktober 2017
    September 2017
    August 2017
    Juli 2017
    Juni 2017
    Mai 2017
    April 2017
    März 2017
    Februar 2017
    Januar 2017
    Dezember 2016
    November 2016
    Oktober 2016
    September 2016
    August 2016
    Juli 2016
    Juni 2016
    Mai 2016
    April 2016
    März 2016
    Februar 2016
    Januar 2016
    Dezember 2015
    November 2015
    Oktober 2015
    September 2015
    August 2015
    Juli 2015

Powered by Create your own unique website with customizable templates.
  • Startseite
  • Blog
  • Über
  • Galerie
  • Kontakt